Ich bin Finn – aus Papas Perspektive
Finn ist jetzt 7 Jahre alt. Ein lebhafter, neugieriger Junge mit einem riesigen Herz, unendlicher Neugier und einer ganz besonderen Art, die Welt zu sehen.
Von Anfang an war bei Finn alles intensiver. Als Baby weinte er stundenlang – nicht, weil ihm etwas fehlte, sondern weil einfach alles zu viel war. Geräusche, Gerüche, Berührungen – ungefiltert, gleichzeitig, überwältigend. Wir haben ihn gehalten, gekuschelt, Wärme und Sicherheit gegeben, so gut wir konnten.
Mit einem Jahr lief er bereits und sprach seine ersten Sätze. Mit zwei Jahren kannte er alle Buchstaben – selbst beigebracht – und begann zu lesen. Bücher waren seine große Liebe. Stundenlang Geschichten hören, Bilder studieren, alles aufsaugen.
Die Kita mit eineinhalb war hart für ihn. Ohne uns, in dieser lauten, unübersichtlichen Umgebung, war er oft überfordert. Aber gleichzeitig zeigte er schon damals, wie viel in ihm steckte: Er erklärte anderen Kindern Pumpen, Farben, Technik. Und er liebte es, Dinge anzureihen – manchmal über zwanzig Meter lang.
Mit vier Jahren kamen die vielen Arztbesuche, Tests, Gespräche. Danach die Diagnose: Autismus und ADHS. Plötzlich hatte vieles einen Namen. Wir begannen, unseren Alltag anzupassen – Struktur, Vorhersehbarkeit, Rituale. Das gab Finn Sicherheit.
Seine Gefühle sind riesig. Wenn er lacht, strahlt er über das ganze Gesicht. Wenn er wütend ist, ist es wie ein Sturm – unkontrollierbar, überwältigend. Vor allem, wenn etwas anders läuft als besprochen. Dann haut oder wirft er. Wir haben gelernt, die Anzeichen zu erkennen und ihm zu helfen, wieder herunterzukommen.
In der Schule hat er eine Schulbegleitung, die ihn durch den Tag führt – immer gleich, verlässlich, klar. Manchmal langweilt er sich, weil er schon lesen und rechnen kann. Aber er hat auch Freunde gefunden, Hobbys entdeckt, und seine Liebe zu LEGO ist grenzenlos.
Heute ist Finn ein lebensfrohes Kind voller Energie, Interessen und Gefühle. Er staunt über die Welt, entdeckt jeden Tag Neues und zeigt uns immer wieder, wie besonders seine Sicht auf das Leben ist.
Das ist Finn. Unser Sohn. Einzigartig, wunderbar – und die Inspiration für diese Seite.
Vorwort
Schön, dass du hier bist.
Mein Name ist Paul. Zusammen mit meiner Frau Elisabeth und unseren beiden Kindern Finn und Lena gehen wir unseren ganz eigenen Familienweg.
Finn ist 7 Jahre alt und hat Autismus und ADHS. Die Diagnose kam, als er 4 war – und vielleicht kennst du diesen Moment: Plötzlich ist alles anders. Vieles bekommt einen Namen, aber gleichzeitig tauchen neue Fragen, Sorgen und Unsicherheiten auf.
Autismus verändert nicht nur das Leben des Kindes – er verändert das ganze Familiensystem. Den Alltag. Die Erwartungen. Den Blick auf die Zukunft. Man lernt, genauer hinzuschauen, Geduld neu zu definieren und kleine Fortschritte wertzuschätzen.
Diese Seite richtet sich an Eltern, Freunde und Großeltern. An alle, die denken: „Ja, genau so fühlt sich das bei uns auch an."
Vielleicht helfen unsere Erlebnisse, Ideen und Entscheidungen dabei, den eigenen Familienalltag besser zu verstehen oder ein kleines Stück entspannter zu gestalten.
Alltag & Routinen
Struktur, Vorhersehbarkeit und klare Absprachen sind zentrale Bausteine unseres Familienalltags. Jeder Punkt führt zu einem ausführlichen Erfahrungsbericht.
Morgenroutine
Feste Abfolge vom Aufstehen bis zum Verlassen des Hauses – mit visuellen Plänen und klarer Sprache.
Anziehen ohne Eskalation
Kleidung vorbereiten, Auswahl begrenzen und sensorische Trigger vermeiden.
Übergänge meistern
Wechsel ankündigen, Countdown nutzen, Übergänge sichtbar machen.
Meltdowns verstehen
Frühsignale erkennen und rechtzeitig Rückzug ermöglichen.
Rückzugsorte zu Hause
Klare Abmachung, wann Rückzug erlaubt und gewünscht ist.
Nachmittagsroutine
Erst Regulation, dann Anforderungen – niemals umgekehrt.
Medienzeiten
Feste Zeiten, klare Endpunkte, visuelle Timer.
Essen & Sensorik
Akzeptanz statt Druck – Erweiterung nur in sicheren Momenten.
Schlafvorbereitung und Einschlafen
Klare Rituale, gleiche Reihenfolge, kein Verhandeln.
Umgang mit Schlafproblemen
Ruhige Präsenz und vorher vereinbarte Optionen in der Nacht.
Schule & Lernen
Schule ist für autistische Kinder mit ADHS ein hochkomplexes Umfeld. Unsere Routinen zielen darauf ab, Überforderung frühzeitig abzufangen und Selbstwirksamkeit zu stärken.
Outing in der Schule
Gemeinsam mit der Therapeutin vorbereitet: kindgerecht, freiwillig und kontrolliert.
Morgendliches Treffen mit Schulbegleitung
Fester Treffpunkt, gleiche Begrüßung, kurze Lageeinschätzung.
Notfall-Routine im Klassenzimmer
Was Finn tun darf, wenn es zu viel wird.
Nachbesprechung
Kurze Reflexion ohne Schuldzuweisung.
Hausaufgaben-Regelung
Reduzierter Umfang, Abbruch erlaubt.
Zusammenarbeit mit Lehrkräften
Sachlich, lösungsorientiert, regelmäßig.
Soziales Umfeld & Beziehungen
Autismus betrifft nie nur das Kind, sondern immer auch das soziale Umfeld. Diese Erfahrungsberichte zeigen, wie wir mit Familie, Freunden und Öffentlichkeit umgehen.
Geschwister verstehen Autismus
Wie wir altersgerecht erklären, ohne zu überfordern.
Freunde finden und halten
Warum Quantität nicht das Ziel ist.
Wenn Familie es nicht versteht
Grenzen setzen ohne Kontaktabbruch.
Öffentliche Situationen
Blicke, Kommentare und unser Umgang damit.
Kindergeburtstage
Einladen, absagen, vorbereiten.
Unser Durchbruch: Begleitgeschichten
Wie Geschichten Finn halfen, die Welt zu verstehen
Eltern, Paar & Selbstschutz
Langfristig funktioniert der Alltag nur, wenn auch die Eltern stabil bleiben. Dieser Bereich thematisiert Belastung, Verantwortung und Grenzen.
Hobbys, Interessen & Ressourcen
Interessen sind keine Nebensache, sondern zentrale Ressource. Dieser Bereich zeigt, wie wir Hobbys gezielt nutzen.
Der Lernolotl — Geschichten für Kinder wie Finn
Aus unserem Familienalltag entstanden: Ein Charakter, der so ist wie Finn.
Hallo, ich bin der Lernolotl!
Ein mintgrüner Axolotl, 7 Jahre alt — und mein Gehirn funktioniert ein bisschen anders als bei vielen anderen. Geräusche nehme ich sehr stark wahr. Wenn Pläne sich plötzlich ändern, mag ich das gar nicht. Und manchmal brauche ich einfach etwas mehr Zeit.
Der Lernolotl hat Autismus. Genau wie Finn. Deshalb haben wir ihn erfunden — damit Kinder wie Finn einen Charakter haben, der so fühlt und denkt wie sie.
Haben Sie weitere Fragen?
Schreiben Sie mir gerne. Ich versuche, jede Nachricht persönlich zu beantworten.
Sie können mir jederzeit eine E-Mail schreiben: rawe.p@freenet.de