Zwei Welten, ein Ziel
Meine Frau ist Vollblut-Pädagogin. Studierte Kenntnisse über Erziehung und Entwicklung von Kindern.
Ich bin Intensivpfleger. Selbstbewusst, aber unerfahren in Sachen Pädagogik.
Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass es häufiger Differenzen in der Erziehung gab.
Aber ich habe auch gelernt: Man muss nicht immer Recht haben, sondern man kann immer etwas dazulernen.
Deshalb habe ich die Meinungen und Kenntnisse meiner Frau voll mit einfließen lassen – letztlich mit Erfolg.
Vor den Kindern: Zusammen stehen
Jeder von euch bereichert den anderen. Seht das auch so.
Vor den Kindern ist es wichtig, dass ihr zusammensteht – auch wenn ihr hinter verschlossener Tür unterschiedlicher Meinung seid.
Das gibt Kindern Sicherheit und vermeidet Verunsicherung oder das Ausspielen der Eltern gegeneinander.
Ja, ihr dürft euch aufregen
Ja, ihr dürft euch über eure Kinder aufregen.
Meiner Meinung nach senkt das das eigene Stresslevel und erhöht die eigene Resistenz.
Es ist keine Schande, auch mal zu sagen: „Das war heute echt anstrengend."
Im Gegenteil – es entlastet und macht ehrlich.
Wenn Paarzeit zur Seltenheit wird
Gerade in unserer Konstellation, wo Finn im Prinzip ausschließlich von einem Großelternteil sicher betreut werden kann und entweder der eine oder der andere arbeitet, sind so etwas wie Treffen eine riesige Herausforderung.
Wir haben Wochen oder Tage gehabt, wo wir uns vielleicht 20 Minuten am Tag ohne Kinder gesehen haben.
Nehmt euch zwischendurch gezielt in den Arm. Zeigt, dass ihr da seid.
Seitdem ich immer besser verstehe, wie Finn tickt und mit ihm deutlich besser zurechtkomme, kommt auch Paarzeit zurück.
Es wird nicht perfekt. Aber es wird machbarer.
Wie wir uns als Paar Zeit nehmen
Wir versuchen abends, wenn die Kinder im Bett sind, das Sprechen über die Kinder auf maximal 5 Minuten zu begrenzen.
Danach kommen wir. Unsere Themen. Unsere Gedanken. Nicht als Eltern, sondern als Paar.
An freien Wochenenden schauen wir mal einen Film zusammen.
Wenn wir unterwegs sind mit den Kindern, genießen wir es, wenn diese im Wald spielen oder einfach auf dem Spielplatz herumtoben.
Dann haben wir Zeit, nebeneinander zu sitzen, zu reden – oder einfach nur gemeinsam durchzuatmen.
Das sagt die Wissenschaft
Eltern von Kindern im Autismus-Spektrum erleben häufig erhöhten Beziehungsstress, insbesondere durch:
- unterschiedliche Bewältigungsstrategien
- wenig gemeinsame Zeit
- unterschiedliche Erziehungsansätze
- chronische Belastung durch Betreuungsaufwand
Studien zeigen, dass gegenseitige Wertschätzung, offene Kommunikation und geteilte Verantwortung entscheidend für die Stabilität der Partnerschaft sind.
Paare, die sich als Team verstehen und ihre unterschiedlichen Kompetenzen als Bereicherung sehen, haben eine deutlich höhere Beziehungszufriedenheit.
Kleine Gesten der Verbundenheit – wie kurze Umarmungen oder bewusste Momente zu zweit – können nachweislich das Stresserleben senken und die emotionale Bindung stärken.
Quellen (Auswahl):
Hartley et al. (2010)
Brobst et al. (2009)
Kersh et al. (2006)
Harper et al. (2013)
Was wir daraus gelernt haben
Zusammenhalt entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Ehrlichkeit.
Durch das Annehmen von Unterschieden. Und durch die Bereitschaft, sich gegenseitig zu stützen – auch wenn man gerade selbst am Ende ist.