Für mich einer der schwierigsten Dinge überhaupt
Hilfe annehmen – für mich einer der schwierigsten Dinge überhaupt.
So war ich doch bereits mit 16 mehr oder weniger komplett auf mich alleine gestellt und musste alles selber meistern.
Diese Haltung sitzt tief. Jahrelang habe ich gedacht: Wer Hilfe annimmt, ist schwach. Wer alles alleine schafft, ist stark.
Aber das stimmt nicht.
Wer Hilfe annimmt, ist nicht schwach – sondern klug genug zu erkennen, dass man gemeinsam weiterkommt.
Die Hilfe, die wir bekommen haben
Wir haben wirklich tolle Hilfen bekommen, um Finn besser zu verstehen.
Finn hat eine sehr intensive Therapie bekommen, wo zweimal in der Woche eine Therapeutin zu uns gekommen ist und mit ihm erarbeitet hat:
- Was sind Gefühle?
- Wie fühlt sich der Gegenüber?
- Wie reagiere ich in bestimmten Situationen?
Zu vielen Situationen gab es Social Stories, die Finn geholfen haben, die Welt besser zu verstehen.
Und wir als Eltern haben auch regelmäßige Schulungen vom Therapeutenteam bekommen.
Außerdem haben wir sehr viele Infomaterialien bekommen, die wirklich weitergeholfen haben.
Familientherapie – ein Blick von außen
Zur Zeit machen wir eine Familientherapie. Diese findet einmal im Monat statt und sie hilft wirklich sehr gut.
Es ist total wichtig, jemanden Außenstehenden zu haben, der nicht gefühlsmäßig mit drin steckt, die Familiensituation zu beurteilen und an den richtigen Stellen durch gute Beratung zu helfen.
Wenn man mitten im Sturm steht, sieht man oft nicht mehr klar.
Ein neutraler Blick von außen hilft, Muster zu erkennen, Strategien zu entwickeln und sich nicht im Alltag zu verlieren.
Diese Therapie ist keine Schwäche – sie ist ein Werkzeug. Und sie funktioniert.
Was wir gelernt haben
Hilfe anzunehmen bedeutet nicht, versagt zu haben.
Es bedeutet, dass man bereit ist zu lernen, zu wachsen und das Beste für sein Kind zu tun.
Durch die Therapie haben wir Finn besser verstanden. Und durch die Familientherapie haben wir uns als Familie besser verstanden.
Das hätten wir alleine nicht geschafft.
Das sagt die Wissenschaft
Eltern von Kindern im Autismus-Spektrum profitieren nachweislich von professioneller Unterstützung.
Studien zeigen, dass:
- Elterntraining die Kompetenz im Umgang mit herausforderndem Verhalten erhöht
- Social Stories das Verständnis sozialer Situationen bei autistischen Kindern verbessern
- Familientherapie die Kommunikation und das Zusammenleben deutlich erleichtert
- externe Perspektiven helfen, festgefahrene Muster zu durchbrechen
Familien, die professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, berichten von:
- mehr Sicherheit im Alltag
- weniger Stress und Überforderung
- besserer Beziehung zum Kind
- mehr Verständnis für das Verhalten des Kindes
Quellen (Auswahl):
Bearss et al. (2015) – Parent Training for Disruptive Behavior
Gray (1998) – Social Stories
Karst & Van Hecke (2012) – Parent and Family Impact
McConachie & Diggle (2007) – Parent-mediated Interventions
Ein Gedanke zum Schluss
Wenn du diesen Text liest und denkst: „Aber ich muss das doch alleine schaffen" – dann sage ich dir:
Nein, musst du nicht.
Und es ist auch kein Zeichen von Schwäche, wenn du Hilfe annimmst.