Unser Alltag – ehrlich, herzlich und ein bisschen chaotisch
Essen ist bei uns kein spontaner Moment, sondern ein gut vorbereiteter Prozess. Damit Finn sich darauf einstellen kann, kündigen wir das Essen etwa 10 bis 15 Minuten vorher an. Dafür stellen wir einen Wecker – mal über Alexa, mal über Sams eigenen Wecker. Zusätzlich bekommt er einen klaren verbalen Hinweis: „In zehn Minuten gibt es Essen." Das Essen findet immer zur selben Zeit statt. Eine Veränderung der Zeiten ist verheerend für den weiteren Tagesablauf und Sams Stimmung.
Finn weiß dann, was als Nächstes kommt. Er soll schauen ob Er oder seine Schwester mit hören dran ist. Die Information dazu findet er auf seinem Wochenplan. Wenn er dran ist, soll er überlegen was er hören möchte. Wenn nicht, soll seine Schwester überlegen was sie hören will, damit er weis, was gehört wird. Das hilft ihm, innerlich anzukommen und sich später besser auf das Essen zu konzentrieren.
Getrunken wird aus einer geschlossenen Trinkflasche. Falls etwas umkippt, bleibt es wenigstens drin.
Gegessen wird überwiegend mit den Händen. Alles muss streng getrennt sein: Essen hier, Soße dort, nichts darf sich berühren. Wenn möglich, gibt es immer dasselbe – auch das wird vorher genau besprochen. Überraschungen sind beim Essen keine gute Idee.
Wir richten uns hier ganz klar nach Finn. Sein Stuhl hat eine Husse, denn Besteck mag er nicht. Hände und Mund werden zwischendurch einfach am Stuhl abgewischt – pragmatisch, alltagstauglich und stressfrei.
Das Essen dauert bei uns zwischen 30 Minuten und 1,5 Stunden. Es wird nicht gesprochen, denn Finn hört währenddessen seine Geschichte. Kopfhörer möchte er beim Essen nicht tragen.
Und ja: Das Essen wandert zwei- bis dreimal in die Mikrowelle, weil Zeit hier eine untergeordnete Rolle spielt – Ruhe ist wichtiger als Temperatur.
Unsere Lösungen
- Klare Ankündigungen mit Zeitangabe
- Immer gleiche Abläufe und Rituale
- Wenig Reize, keine Gespräche während des Essens
- Anpassung der Umgebung (Stuhl, Trinkflasche, getrenntes Essen)
- Kein Zeitdruck – Essen darf dauern
- Wir passen uns an Finn an, nicht umgekehrt
Das sagt die Wissenschaft (kurz & verständlich)
Autistische Kinder profitieren stark von Vorhersehbarkeit und festen Routinen, insbesondere bei Übergängen wie dem Essen.
Sensorische Besonderheiten (Textur, Temperatur, Geruch, Vermischung von Speisen) sind häufig und können durch klare Trennung reduziert werden.
Auditive Fokussierung (z. B. Hörgeschichten) kann helfen, Reizüberflutung zu vermeiden und die Nahrungsaufnahme zu erleichtern.
Quellen (Auswahl):
American Academy of Pediatrics – Autism Spectrum Disorder and Feeding Issues
DSM-5-TR – Autism Spectrum Disorder
Schreck & Williams (2006)
Was wir daraus gelernt haben
Es gibt kein „richtig" oder „falsch".
Es gibt nur Wege, die für das eigene Kind funktionieren.