Unser Alltag – ehrlich, herzlich und manchmal sehr müde
Beim Thema Schlaf müssen wir ganz ehrlich sein: Da sind wir nicht anders als viele andere Familien.
Schlafprobleme begleiten uns. Mal mehr, mal weniger. Phasenweise ruhig, dann wieder zäh und kräftezehrend.
Und nein – wir haben keine perfekte Lösung, kein Patentrezept und keinen durchgetakteten Wunderplan.
Manchmal klappt das Einschlafen gut. Manchmal dauert es ewig. Manchmal schläft Finn durch. Manchmal ist die Nacht um 3:00 Uhr einfach vorbei.
Das Einzige, was wir gelernt haben: Schlaf lässt sich nicht erzwingen.
Das Elternbett – rückblickend eine echte Katastrophe
Rückblickend müssen wir noch etwas sehr deutlich sagen: Das Elternbett war für Finn zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr die größte Katastrophe überhaupt.
Die Idee dahinter war gut gemeint: Nähe, Sicherheit, gemeinsames Einschlafen.
Die Realität sah anders aus.
Finn wollte dort nicht einschlafen. Er wollte turnen, klettern, sich bewegen. Teilweise stundenlang, um uns herum, über uns hinweg, immer in Aktion.
Je müder wir wurden, desto unruhiger wurde er.
Und irgendwann – völlig erschöpft – wurden einer oder beide Eltern lauter. Nicht aus Unwillen. Sondern aus purer Überforderung.
Es war für niemanden ein guter Ort. Weder für Finn noch für uns.
Erst viel später haben wir verstanden: Nähe bedeutet nicht automatisch Ruhe. Und gemeinsames Schlafen ist kein Allheilmittel – schon gar nicht für jedes Kind.
Was wir versucht haben (und was geblieben ist)
Natürlich haben wir vieles ausprobiert. Abendrituale, feste Zeiten, ruhige Übergänge. Licht, Dunkelheit, Nähe, Abstand.
Was geblieben ist, sind klare Grundpfeiler:
- eine feste Abendroutine
- möglichst gleiche Zeiten
- wenig Reize am Abend
- bekannte Abläufe
- keine großen Erwartungen
Aber genauso wichtig: Wir haben aufgehört, jede schlechte Nacht als Problem zu sehen, das sofort „gelöst" werden muss.
Manche Nächte sind einfach schlecht. Und das darf so sein.
Akzeptanz statt Daueroptimierung
Was uns enorm geholfen hat, ist eine veränderte Haltung.
Nicht jede unruhige Nacht ist ein Zeichen, dass wir etwas falsch machen. Nicht jedes Wachliegen braucht eine Erklärung.
Gerade bei Finn merken wir: Je mehr wir tagsüber auf Struktur, Regulation und Sicherheit achten, desto weniger Gewicht bekommt der Schlaf selbst.
Und trotzdem bleibt er manchmal schwierig.
Das ist kein Versagen. Das ist Alltag.
Das sagt die Wissenschaft (kurz & verständlich)
Schlafprobleme sind bei Kindern – mit und ohne Autismus – sehr häufig.
Studien zeigen: Einschlafprobleme, nächtliches Aufwachen und frühes Wachwerden treten in vielen Familien phasenweise auf.
Bei autistischen Kindern kommen oft zusätzliche Faktoren hinzu: erhöhte innere Anspannung, Schwierigkeiten beim Abschalten und veränderte Melatonin-Ausschüttung.
Gleichzeitig wird betont, dass Druck, Zwang und übermäßige Kontrolle den Schlaf eher verschlechtern können.
Ein konsistenter Rahmen hilft – aber Akzeptanz ist oft genauso wichtig.
Quellen (Auswahl):
DSM-5-TR – Autism Spectrum Disorder
American Academy of Pediatrics – Childhood Sleep
Cortesi et al. (2010): Sleep in children with autism
Malow et al. (2014)
Was wir daraus gelernt haben
Schlaf ist kein Trainingsziel. Er ist ein Zustand.
Man kann ihn vorbereiten, begleiten und schützen – aber nicht erzwingen.
Und manchmal ist das Wichtigste nicht, dass alle durchschlafen, sondern dass niemand daran zerbricht.
Wir sind müde – aber wir sind okay.