Zusammenarbeit mit Lehrkräften

Wie die enge Partnerschaft mit Sams Lehrerin funktioniert – und warum sie unverzichtbar ist

Der Vorteil, den wir haben

Meine Frau ist selbst Grundschullehrerin. Das ist ein enormer Vorteil – nicht nur für uns als Eltern, sondern vor allem für Finn.

Denn sie spricht die gleiche Sprache wie Sams Klassenlehrerin. Sie versteht die Herausforderungen des Schulalltags aus professioneller Perspektive. Sie weiß, was machbar ist und was nicht. Sie kann Vorschläge machen, die realistisch sind.

Und genau das macht die Zusammenarbeit so produktiv.

Es ist kein Gespräch zwischen "besorgten Eltern" und "gestressten Lehrkräften". Es ist ein kollegialer Austausch zwischen zwei Fachleuten, die beide nur eines wollen: dass es für Finn funktioniert.

Das bedeutet nicht, dass immer alles reibungslos läuft. Aber es bedeutet, dass wir auf einer gemeinsamen Basis arbeiten – mit gegenseitigem Respekt und Verständnis.

Wenn Eltern und Lehrkräfte nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten, profitiert vor allem das Kind.

Feedback, das wirklich hilft

Sams Lehrerin gibt viel Feedback. Und nicht irgendein Feedback – sondern gutes, konkretes, hilfreiches Feedback.

Sie erzählt uns nicht nur, ob der Tag "gut" oder "schlecht" war. Sie erzählt uns, was genau passiert ist. Wie Finn auf bestimmte Situationen reagiert hat. Wo er Fortschritte gemacht hat. Wo er Schwierigkeiten hatte.

Das hilft uns enorm.

Denn nur wenn wir wissen, was in der Schule passiert, können wir zuhause darauf reagieren. Nur wenn wir verstehen, welche Herausforderungen Finn im Schulalltag bewältigen muss, können wir ihm die Unterstützung geben, die er braucht.

Und genau dieses Feedback bekommen wir. Regelmäßig. Ehrlich. Ohne Beschönigungen, aber auch ohne unnötige Dramatisierung.

Das ist Gold wert.

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Wenn wir etwas ändern, wird sie involviert

Manchmal merken wir zuhause, dass etwas nicht funktioniert. Dass Finn überfordert ist. Dass eine Strategie nicht greift. Dass wir etwas anders machen müssen.

Und wenn das der Fall ist – besonders wenn es schulische Dinge betrifft – dann involvieren wir Sams Lehrerin.

Nicht als Information im Nachhinein. Sondern als aktive Partnerin bei der Lösungsfindung.

Wir besprechen gemeinsam, was wir ändern wollen. Was das für den Schulalltag bedeutet. Wie sie es umsetzen kann. Was sie von uns braucht, damit es funktioniert.

Und sie macht mit. Sie setzt sich ein. Sie probiert Dinge aus. Sie passt ihren Unterricht an, wenn es notwendig ist.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Lehrkräfte sehen solche Gespräche als zusätzliche Belastung. Für Sams Lehrerin sind sie Teil ihrer Arbeit.

Und genau deshalb funktioniert es.

Eine Vertrauensperson für Finn

Sams Lehrerin ist nicht nur eine Lehrkraft. Sie ist für ihn eine Vertrauensperson.

Das klingt vielleicht selbstverständlich – aber für autistische Kinder ist es das nicht.

Vertrauen aufzubauen dauert bei Finn sehr lange. Neue Menschen sind erstmal suspekt. Neue Situationen sind bedrohlich. Neue Anforderungen sind überfordernd.

Aber seine Lehrerin hat es geschafft, dieses Vertrauen aufzubauen.

Finn weiß: Bei ihr ist er sicher. Sie versteht ihn. Sie nimmt ihn ernst. Sie hilft ihm, wenn es schwierig wird.

Diese Vertrauensbasis ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut. Ohne sie wäre Schule für Finn kaum machbar.

Eine Lehrkraft, der ein autistisches Kind vertraut, kann mehr bewirken als jede noch so gute Förderstrategie.
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Als Fürsprecherin bei Begutachtungen

Immer wieder gibt es Begutachtungen. Gutachter, die bewerten sollen, ob Finn die Schulbegleitung wirklich braucht. Ämter, die Anträge prüfen. Instanzen, die entscheiden wollen, was notwendig ist und was nicht.

Und bei diesen Begutachtungen ist Sams Lehrerin mit dabei.

Nicht als stille Beobachterin. Sondern als aktive Fürsprecherin.

Sie sagt klar und deutlich, was Finn braucht. Sie erklärt, warum die Schulbegleitung unverzichtbar ist. Sie schildert konkrete Situationen, in denen Finn ohne Unterstützung nicht zurechtgekommen wäre.

Sie kämpft für ihn.

Und das ist mehr, als wir erwarten könnten. Denn viele Lehrkräfte halten sich bei solchen Terminen zurück, wollen sich nicht positionieren, überlassen die Entscheidung den Gutachtern.

Sams Lehrerin nicht. Sie steht auf und sagt, was Sache ist.

Und das macht einen Unterschied. Einen riesigen Unterschied.

Was die Forschung sagt

Studien zur schulischen Inklusion zeigen eindeutig: Eine der wichtigsten Erfolgsfaktoren für autistische Kinder in der Regelschule ist die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrkräften.

Wenn Lehrkräfte bereit sind, sich aktiv einzubringen, individuell auf das Kind einzugehen und gemeinsam mit den Eltern nach Lösungen zu suchen, steigen die Chancen auf einen erfolgreichen Schulbesuch dramatisch.

Die Leitlinien des Bundesverbandes autismus Deutschland e.V. (2014) zur schulischen Inklusion betonen ausdrücklich: "Eine gute Vernetzung von Schule, Elternhaus und weiteren beteiligten Personen und Institutionen ist unerlässlich." Besonders wichtig ist dabei die Rolle der Lehrkraft als Fürsprecherin des Kindes – nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch in institutionellen Kontexten wie Begutachtungen oder Hilfeplangesprächen.

Forschungsergebnisse von Haider, Jencio-Stricker und Schwanda (2023) zeigen außerdem, dass eine vertrauensvolle Beziehung zwischen autistischem Kind und Lehrkraft zu besseren schulischen Leistungen, weniger Verhaltensproblemen und einer höheren psychischen Stabilität des Kindes führt.

Mit anderen Worten: Das, was bei uns funktioniert, ist nicht nur ein glücklicher Zufall. Es ist das Ergebnis einer professionellen, engagierten und menschlichen Zusammenarbeit – und genau das brauchen alle Kinder mit besonderen Bedürfnissen.

Was wir daraus gelernt haben

Wir haben gelernt, dass die richtige Lehrkraft alles verändern kann.

Nicht die Lehrkraft mit den perfekten Methoden oder dem umfassendsten Fachwissen über Autismus. Sondern die Lehrkraft, die sich einbringt. Die zuhört. Die mitdenkt. Die kämpft.

Wir haben auch gelernt, dass wir Glück haben. Dass nicht jede Familie eine solche Lehrkraft findet. Dass nicht jede Schule bereit ist, so eng mit den Eltern zusammenzuarbeiten.

Aber wir haben auch gelernt, dass es sich lohnt, diese Art der Zusammenarbeit anzustreben – und einzufordern, wenn sie nicht von selbst entsteht.

Denn am Ende geht es nicht darum, ob es für die Lehrkraft bequem ist oder ob es in den üblichen Schulablauf passt.

Es geht darum, was das Kind braucht. Und wenn eine Lehrkraft das versteht, kann Inklusion gelingen.

Die beste Förderstrategie ist eine Lehrkraft, die hinter dem Kind steht – nicht nur im Klassenzimmer, sondern überall.